1914 – 2014 | 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Friedrichskoog

Schon früher gehörte das Feuer zu den größten Gefahren in den Städten und Gemeinden. Als Friedrichskoog besiedelt wurde, rückte die Dringlichkeit einer Feuerwehr immer mehr in den Vordergrund. Eine Handdruckspritze, ein Löschwasserbehälter, Leitern und Einreißhaken waren die ersten Ausgaben, die für die Gemeinde mit 1.400 Goldmark erstaunlich hoch war. Die männlichen Einwohner wurden zu einer Zwangsfeuerwehr in Friedrichskoog- Mitte zusammengefasst. Aber schnell wurde klar, dass dies keine perfekte Lösung war. Die Feuerwehrmänner waren nicht gut genug ausgebildet, um im Ernstfall richtig zu reagieren. Der Ruf nach einer Freiwilligen Feuerwehr wurde immer größer und so wurde im Jahre 1914 ein Aufruf „Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr“ gestartet, dem sehr viele interessierte Männer folgten. Sofort wurde ein Vorstand mit dem Wehrführer Heinrich Andreßen gewählt. Nach der Gründung begann eine detaillierte Ausbildung der Wehrmänner in der Brandbekämpfung. Mit viel Eifer wurden die Geräte gepflegt, die Wehrmänner neu eingekleidet und Übungen an allen Geräten ausgeführt. Schnell ergaben sich daraus die Feuerlöschgruppen mit dem Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp sowie dem Feuerwehrreserve-, Bergungs- und Absperrtrupp.

Die erste Bewährungsprobe der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr hatten die Feuerwehrmänner Ostern 1914, als das Wirtschaftsgebäude von Andreas Jacobs lichterloh brannte. Doch nur wenige Monate waren die Feuerwehrmänner zusammen, als diese in den 1. Weltkrieg eingezogen wurden. Heinrich Andreßen war es, der nach Beendigung des Krieges die Freiwillige Feuerwehr wiederaufbaute, in dem er aktiv für neue Mitglieder warb und Glück hatte. Neun neue Mitglieder begrüßte der Wehrführer 1919. Viele Einsätze folgten. Im Jahre 1926 wurde eine Feuerwehrkapelle gegründet. Diese brachte viel Leben in den Alltag der Feuerwehr und wurde von jedem begrüßt. Auf allen Versammlungen und Veranstaltungen der Gemeinde war die Kapelle präsent. Doch leider wurde diese, auch durch den erneuten Ausbruch des Krieges, nicht aufrechterhalten und existierte von nun an nicht mehr.
Um der Gemeinde einen Feuerschutz im 2. Weltkrieg zu gewähren wurde 1935 neben der Freiwilligen Feuerwehr eine Pflichtfeuerwehr ins Leben gerufen, in der alle männlichen Einwohner von 16- 60 Jahren Dienst machen mussten. Gerade in den Kriegsjahren wurde von den Wehrmännern außerordentliches geleistet. Viele Bombenangriffe und Großfeuer hielten die Wehrmänner auf Trab.

1942 erhielt die Gemeinde Friedrichskoog die erste Motorspritze- eine TS 8/8 (Tragkraftspritze), sowie einen einachsigen Anhänger und Schlauchmaterial. Diese Anschaffung war eine große Hilfe für alle. Nach Beendigung des Krieges wurde die Pflichtfeuerwehr geschlossen und viele Soldaten traten der Freiwilligen Feuerwehr bei. 1948 versammelte sich die Feuerwehr zu einer Jahreshauptversammlung, wo Johann Tiedemann als ersten Wehrführer gewählt worden ist. Sofort wurden alle Arbeiten wieder aufgenommen, in dem regelmäßig Dienstabende und Versammlungen stattfanden. Die Gemeinde war sehr bemüht, die Ausrüstung der Feuerwehr nach und nach zu verbessern, um für alle Notfälle gerüstet zu sein.

Die Feuerwehr hat nicht nur bei Großbränden ihren Dienst geleistet. Im Jahre 1954 wurde Katastrophenalarm auslöst, da eine schwere Sturmflut an der Nordseeküste tobte. Zum Glück flaute die Sturmflut schnell ab und die Wehr brauchte nicht eingesetzt werden.
Aber schon im Jahre 1962 wurden die Feuerwehrmänner zu einer weiteren schweren Sturmflut gerufen. 25 Mann waren stundenlang im Dienst, um gegen die Fluten anzukämpfen. Die größte Aufgabe bestand darin die Not zu lindern und die Gefahr zu beseitigen.

Im Jahre 1962 wurde die Alarmierung der Feuerwehrmänner durch Luftschutzsirenen deutlich verbessert, dadurch war die Wehr schneller am Einsatzort und konnte sofort helfen. Aber auch der Fortschritt der Motorisierung rückte immer weiter in den Vordergrund. Bisher wurde der Transport der Feuerwehrgeräte durch den Transport in den eigenen Fahrzeugen vorgenommen. Am 09. Oktober 1968 war es endlich soweit. Der Wehrführer Peter Lohse bekam den Schlüssel des neuen Löschfahrzeuges LF8 vom Bürgermeister Schütt überreicht. Des Weiteren wurde die Feuerwehr im Jahre 1971 mit einem Funkgerät und drei Atemschutzgeräten ausgerüstet. Weitere größere und wichtige Anschaffungen folgten in den Jahren wie zum Beispiel das Notstromaggregat oder die ABC- Ausrüstung im Jahre 1975. Im Laufe der Jahre wurde der Wunsch nach einem neuen Feuerwehrgerätehaus immer größer. Das Feuerwehrgerätehaus in der Hafenstraße wurde seinen Anforderungen nicht mehr gerecht. Schnell war ein neuer Standort gefunden- die alte Schule in Friedrichskoog- Mitte. Mit viel Elan und Fleiß wurde die Schule 1977 von den Feuerwehrmännern umgebaut. Von nun an stand der Feuerwehr reichlich Stellplatz für die Fahrzeuge und Geräte zur Verfügung. Sogar ein großer Schulungsraum und sanitäre Anlagen fanden Platz.
Die Aufgabenbereiche erweiterten sich immer mehr. Neben

der Brandbekämpfung, die früher der Hauptteil der Einsätze ausmachte, umfassten die Aufgaben jetzt immer stärker alle Varianten an technischen Hilfeleistungen. Des Weiteren wuchsen die Wohngebiete und somit die Bevölkerung. Auch die Ansiedelung der Klinik Nordseedeich, dem Fontamar (jetzt GTZ) und der RWE DEA Landstation gaben der Feuerwehr neue Aufgabenbereiche.

Im Jahre 1998 entschloss sich die Gemeinde zu einem Neubau des Feuerwehrgerätehauses, da die Sicherheitsbestimmungen in der alten Schule nicht mehr eingehalten werden könnten. Das jetzige Feuerwehrgerätehaus ist im Tjarksweg und hat neben 3 Stellplätzen für Fahrzeuge, einen großen Schulungsraum und Sanitäranlagen.

Auch die Technik verbesserte sich jedes Jahr. So kann die heutige Feuerwehr stolz auf die Ausrüstung blicken. Mit 4 Fahrzeugen mit bester Ausrüstung wie z.B. der LF24 mit einem 3000 Liter Wassertank, 200 Liter Schaummittel, der RW1 mit einen Be- und Entlüftungsgerät und einer Rettungssäge Twin-Saw oder der ELW1 mit einem Defibrillator sind nur einige wenige Beispiele für 100 Jahre Innovation. Zurzeit hat die Freiwillige Feuerwehr 21 Mitglieder der Jugendfeuerwehr, 43 aktive Mitglieder, 14 Ehrenmitglieder und viele passive, ohne die die Feuerwehr nicht bestehen würde. „Wir freuen uns über das enorme Engagement unserer ganzen Mitglieder. Gerade die Kameradschaft ist bei uns sehr wichtig“, so Holger Andreßen, Gemeindewehrführer der Gemeinde Friedrichskoog. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder alle 14 Tage zu Übungsabende, wo viele Situationen für den Ernstfall geprobt werden. Ob eine brennende Scheune, eine eingeklemmte Person im Auto oder im Gebäude sich befindende Personen. „Es ist sehr wichtig alle Situationen kennenzulernen und durchzuarbeiten, da im Ernstfall alles 100%ig funktionieren muss“, so Wehrführer Peter Sassenroth.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.